Frühling belebt Konsumklima

Vor 161 Tagen  nachrichten.de

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Nürnberg (dpa) - Der Frühling weckt in Deutschland die Hoffnung auf eine Konjunkturbelebung und sorgt für eine freundlichere Verbraucherstimmung: Nach fünf Monaten ist der Abwärtstrend beim Konsumklima endlich gestoppt.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) prognostiziert für April einen Konsumklima-Wert von 3,2 Punkten, das ist derselbe Wert wie im März. Zuvor war der Indikator seit November 2009 fünfmal in Folge gesunken. Wermutstropfen: Die deutlich gestiegenen Benzinpreise drücken auf die Kauflaune, wie die GfK am Donnerstag in Nürnberg berichtete.

Die Verbraucherstimmung habe sich ein Stück weit aus dem Tief herausgearbeitet, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. «Sie ist aber noch nicht berauschend.» Auch in den nächsten Monaten wird sich das Konsumklima eher verhalten entwickeln. «Einen Konsumrausch werden wir nicht messen können», sagte Bürkl der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dank des überraschend stabilen Arbeitsmarktes sinke aber die Angst vor Arbeitslosigkeit. «Damit steigt auch die Bereitschaft, Geld auszugeben.» Das ruhige Preisklima wirke ebenfalls positiv.

Auch Arbeitsmarktexperten sehen die Gefahr einer Jobkrise in Deutschland vorerst gebannt. Die Zahl der Erwerbslosen könne zwar in den kommenden Monaten noch leicht steigen. Mit einer dramatischen Zunahme sei aber nicht zu rechnen, betonten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Für den März rechnen sie mit einer leichten Frühjahrsbelebung.

«Am Bild des weiterhin robusten Arbeitsmarkts hat sich nichts geändert», betonte Philipp Jäger von der genossenschaftlichen DZ- Bank. Ralph Solveen von der Commerzbank warnte allerdings: «Wir können uns einfach nicht vorstellen, dass ein so schwerer Einbruch der Wirtschaft völlig spurlos am Arbeitsmarkt vorbeigeht.» Er rechnet daher noch mit einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosenzahlen.

Die Konsumforscher schätzen den überaus robusten Arbeitsmarkt und die zunehmenden Signale für eine wirtschaftliche Erholung als wichtigste Faktoren für die stabile Verbraucherstimmung ein. Die Bürger beurteilten die konjunkturellen Aussichten wieder optimistischer. Der Indikator für die Konjunkturerwartung stieg mit einem Plus von gut 10 Punkten wieder über den langjährigen Durchschnittswert von null Punkten und weist aktuell 4,5 Punkte auf.

In der Folge legten auch die Einkommenserwartungen leicht um 1,5 Punkte zu; der Indikator steht nun bei 13,5 Punkten. Die Bürger müssten nun aber rasch Klarheit über künftige finanzielle Belastungen bekommen, forderte Bürkl. «Die Verbraucher benötigen Planungssicherheit. Diskussionen über weitere Belastungen, etwa bei den Krankenkassenbeiträgen, sind eine Hypothek für die Verbraucherstimmung. Anschaffungen werden auf die lange Bank geschoben oder ganz aufgegeben.»

Bereits im März erhielt die Kauflaune einen leichten Dämpfer: Der Indikator verzeichnete ein Minus von 0,8 Punkten. Vor allem die höheren Benzinpreise hätten in den vergangenen Wochen zu steigenden Preiserwartungen der Verbraucher geführt, hieß es. Mit aktuell 23,4 Punkten weist die sogenannte Anschaffungsneigung aber noch ein deutlich höheres Niveau als 2009 (13,9 Punkte) auf.

Wie sich das Konsumklima in weiteren Jahresverlauf entwickelt, hänge entscheidend von der Lage auf dem Arbeitsmarkt ab, betonten die GfK-Forscher. Sie erwarten nicht, dass der private Konsum in diesem Jahr einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung leisten wird. «Von einer Trendwende kann man noch nicht sprechen», sagte Bürkl. Für die Studie werden monatlich rund 2000 Verbraucherinterviews geführt.

dpa