München (dpa) - Nach kurzer Talfahrt ist die deutsche Wirtschaft wieder überraschend gut in Schwung gekommen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, stieg im Januar zum dritten Mal in Folge und weit stärker als erwartet.
Die Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Aussichten für das kommende halbe Jahr besser. «Der Optimismus kehrt zurück», sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Freitag in München.
Der Geschäftsklimaindex war nach sechs Monaten Talfahrt schon im November und Dezember wieder gestiegen und legte im Januar noch kräftiger zu, von 102,4 auf 104,2 Punkte. Die Fabriken sind laut Ifo nach dem Rückgang im letzten Quartal 2012 jetzt wieder besser ausgelastet, die Auftragsbücher der Exportindustrie und der Bauunternehmen füllen sich.
«Das ist ein klares Signal, dass es wieder aufwärtsgeht», sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. «Das ist sehr stark vom Optimismus in der Industrie geprägt.» Maschinenbau, Metall- und Chemieindustrie liefen gut, auch die Exportaussichten seien gut. Die Signale aus China und den Schwellenländern in Asien und Lateinamerika seien sehr gut, auch aus den USA kämen eher positive Nachrichten. Nach langer Durststrecke investierten die Firmen wieder mehr: Die Lage der Investitionsgüterindustrie habe sich deutlich verbessert. «Die Erwartungen kommen aus dem Tal und steigen rasant nach oben», sagte der Ifo-Konjunkturexperte.
Auf dem Bau ist die Stimmung hervorragend. Zwar beklagt die Hälfte der Betriebe, dass im Moment Schnee und Kälte die Arbeit beeinträchtigen. Aber «sie scheinen gute Aufträge bekommen zu haben, die sie abarbeiten wollen, sobald das Wetter besser ist», sagte Wohlrabe. Ihre Geschäftserwartungen sind deutlich optimistischer. Vor allem beim Wohnungs- und beim Straßenbau sieht es gut aus, aber auch beim gewerblichen Hochbau verbesserte sich die Stimmung.
Beim Einzelhandel ist die Lage fast unverändert leicht positiv. Nur im Großhandel trübte sich die Lage im Januar ein.
Bei der Beschäftigung gibt es keine große Bewegung. Die Bauwirtschaft plant etwas mehr Personal ein, in der Industrie halten sich Stellenabbau und -aufbau die Waage. Die meisten Unternehmen wollten ihren Personalstand halten, sagte Wohlrabe.
Das Ifo-Institut erwartet, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 0,2 Prozent zum Vorquartal wächst und allmählich wieder in Schwung kommt. Ein Risiko bleibe die weiter schwelende Euro-Krise. In Italien sei nach der Wahl im Februar offen, wie es mit den Reformen weitergehe. Die Märkte hätten sich beruhigt, «aber es ist ein fragiles Gebäude», sagte der Ifo-Konjunkturexperte.