Umgangssprachliche Umschreibung für dramatische, teilweise erdrutschartige Entwicklungen auf der Ebene einer oder mehrerer Volkswirtschaften (makroökonomische Ebene). Neben statistisch messbaren Kennzahlen wie Verlust der Wirtschaftskraft, negatives Wachstum, Stagnation im produktiven Sektor, Zurückhaltung bei Anlagen und Investitionen, Verwerfungen im Finanzsektor ...
Umgangssprachliche Umschreibung für dramatische, teilweise erdrutschartige Entwicklungen auf der Ebene einer oder mehrerer Volkswirtschaften (makroökonomische Ebene). Neben statistisch messbaren Kennzahlen wie Verlust der Wirtschaftskraft, negatives Wachstum, Stagnation im produktiven Sektor, Zurückhaltung bei Anlagen und Investitionen, Verwerfungen im Finanzsektor, mangelnde Prosperität, Einkommensverluste, Geldentwertung, rückläufiger Konsum usw. bestimmen kaum steuerbare, teilweise von Medien stimulierte psychologische Aspekte sowohl die Wahrnehmung wie auch das Verhalten der wirtschaftlichen Akteure. Die Dynamik einer Wirtschaftskrise kann dadurch erheblich verstärkt werden. Begleitet wird eine Wirtschaftskrise jeweils von sozialen Spannungen und Verwerfungen, kontroversen gesellschaftlichen Debatten über grundlegende wirtschaftliche Paradigmen sowie politischem Aktionismus.
Auslöser von Wirtschaftskrisen
Wirtschaftskrisen monokausal zu erklären, wird der Komplexität der Prozesse kaum gerecht. Unbestritten dürfte jedoch sein, dass Turbulenzen an den Finanzmärkten als Hauptverursacher gelten. Die aktuelle Wirtschaftskrise seit 2007 etwa wurde durch sogenannte „Blasenbildungen“ an den amerikanischen Immobilien und Finanzmärkten ausgelöst. Möglich wurden diese „Blasen“ durch den unkontrollierten Handel mit nicht transparenten, dubiosen „Finanzderivaten“ wie z.B. „Credit Default Swaps“ und „Leerverkäufen“. Inzwischen scheint sich die Überzeugung durchzusetzen, dass ohne Regulierungen der Finanzmärkte die weltweit eng verflochtenen Volkswirtschaften anfällig für Krisen sein werden. Dies belegt die große Zahl regionaler oder überregionaler Krisen in den letzten 20 Jahren beginnend mit der Japan-Krise (1991), gefolgt von der Argentinienkrise (1991), der Tequilakrise (1994), der Asienkrise (1997), der Dotcom-Blase (2000) und dem Zusammenbruch der Märkte nach dem Terroranschlag am 11.9.2001.
Historische Vorläufer
Auch wenn sich die Wirtschaftskrisen in den vergangenen Jahren häufen, sind sie nicht erst seit der großen „Weltwirtschaftskrise“ 1929 historisch verbürgt. Spätestens seit der „Tulpenmanie“ (1634-1637) sind zahlreiche nationale Wirtschaftskrisen wie etwa die „Hamburger Handelskrise“ (1799) oder die „Gründerkrise“ (1873) und internationale Wirtschaftskrisen wie die „Englische Geldkrise“ (1696) oder die „Britische Eisenbahnkrise“ (1847) wissenschaftlich erforscht und beschrieben.