Frankfurt/Main (dpa) - Der Kampf um den Thron im Weltfußball wird immer schmutziger: Wegen Bestechungsvorwürfen muss sich Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam kurz vor der Wahl am 1. Juni vor der FIFA-Ethik-Kommission verantworten.
Wie die FIFA in Zürich mitteilte, hat das amerikanische Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer den FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke über mögliche Verstöße im Wahlkampf des Katarers informiert.
Bin Hammam nannte die Vorwürfe auf seiner Homepage «nicht mehr als ein taktisches Manöver von denen, die kein Vertrauen in ihre Fähigkeiten haben, siegreich aus der Wahl hervorzugehen» - eine klare Botschaft an Amtsinhaber und Favorit Joseph Blatter. Der Chef des Asiatischen Fußball-Verbandes (AFC) wies die Anschuldigungen zurück und geht davon aus, dass er am kommenden Mittwoch wie geplant gegen Blatter antreten kann. Bin Hammam hält sich derzeit ohnehin in Zürich auf und soll sich bis zum Freitag äußern. Die Ethik-Kommission, die durch die Wahl unter großem Zeitdruck steht, tagt am Sonntag.
Betroffen von den Vorwürfen sind neben bin Hammam drei weitere Funktionäre: FIFA-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad & Tobago sowie Debbie Minguell und Jason Sylvester von der Karibischen Fußball-Union (CFU). Bin Hammam kündigte an, mit Warner sprechen und ihn unterstützen zu wollen. Ohne dessen Hilfe hätte er nicht bei vielen wichtigen FIFA-Verbänden sein Wahlprogramm diskutieren können. Warner beteuerte in einer Erklärung, er sei sich keines Fehlverhaltens bewusst. Der Zeitpunkt der Vorwürfe und der wenige Tage vor der Präsidentenwahl angesetzten Anhörung seien «interessant», bemerkte der FIFA-Spitzenfunktionär.
In dem Bericht von Blazer gehe es um ein Treffen der CFU am 10. und 11. Mai in Trinidad, an dem auch bin Hammam teilnahm. Dorthin soll der Geschäftsmann nach Informationen der «Neue Zürcher Zeitung» 25 Funktionäre auf seine Kosten eingeladen haben. Der 62-Jährige bestritt jegliches absichtliches oder unwissentliches Fehlverhalten während der Zusammenkunft: «Wenn es auch nur einen Funken Gerechtigkeit auf dieser Welt gibt, werden sich diese Vorwürfe in alle Winde zerstreuen.»
Die nord-, zentralamerikanische und karibische Konföderation CONCACAF mit ihren 35 Mitgliedsverbänden und Generalsekretär Blazer hat sich bisher noch nicht offiziell geäußert, ob sie bei der Wahl Blatter oder bin Hammam unterstützt. Vier der sechs Erdteilverbände - die Europäer unter dem Dach der UEFA, Südamerika, Ozeanien und Afrika - haben sich für Blatter ausgesprochen. Bin Hammam hatte nicht rechtzeitig ein US-Visum für das CONCACAF-Meeting am 2. Mai in Miami bekommen, deshalb kam es zu dem Treffen in Trinidad.
Die FIFA äußerte sich nicht konkreter dazu, wie oder wen bin Hammam bestochen haben soll. Blatters Berater Brian Alexander sagte, der FIFA-Boss werde sich nicht zu dem aktuellen Fall um den Präsidenten der asiatischen Konföderation äußern. Der 75-jährige Blatter strebt seine vierte Amtszeit an.
FIFA-Generalsekretär Valcke hatte am Montag Spekulationen zurückgewiesen, er habe bin Hammam zum Rückzug von dessen Kandidatur aufgerufen. «Ich möchte in aller Deutlichkeit klarstellen, dass weder ich noch irgendjemand sonst in der FIFA zu irgendeinem Zeitpunkt Herrn Mohamed bin Hammam gebeten haben, seine Kandidatur zurückzuziehen», erklärte Valcke in einer Pressemitteilung. Die Behauptungen seien «absolut unwahr».
208 FIFA-Delegierte wählen in Zürich den Präsidenten. Der englische Fußball-Verband FA hatte in der vergangenen Woche jedoch angekündigt, aus Protest wegen der jüngsten Ereignisse nicht an der Präsidentenkür teilnehmen zu wollen. Blatter und bin Hammam hatten sich in England wegen der von Korruptionsvorwürfen überschatteten WM-Vergaben für 2018 und 2022 unbeliebt gemacht. Der Herausforderer hat die FA-Funktionäre dafür kritisiert: «Sie sollten mit der FIFA arbeiten, um den Fußball zu verbessern und zu stärken.»