Zu Beginn ihrer ersten direkten Friedensgespräche seit fast zwei Jahren haben Israelis und Palästinenser altbekannte Forderungen bekräftigt: Kurz vor dem Treffen in Washington forderte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu die Palästinenser auf, Israel als jüdischen Staat anzuerkennen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte erneut klar, dass er einen einen völligen Siedlungsstopp im Westjordanland erwarte.
Frieden sei nur dann möglich, wenn "beide Seiten schmerzliche Konzessionen" machten, sagte Netanjahu eingangs im US-Außenamt. Abbas forderte die israelische Regierung auf, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben. Die direkten Friedensverhandlungen zwischen beiden Seiten lagen 20 Monate auf Eis. Sie wurden Ende 2008 unterbrochen, als Israel nach anhaltendem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen dort eine Militäroffensive startete.
US-Außenministerin Hillary Clinton lobte "Mut und Einsatz" beider Seiten. "Die Entscheidung, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, fiel nicht leicht", sagte Clinton. Skepsis und Misstrauen herrschten verständlicherweise auf beiden Seiten. Aber indem beide gekommen seien, sagte sie an Netanjahu und Abbas gerichtet, hätten sie eine "wichtigen Schritt" zur Befreiung ihrer Völker von den Fesseln einer unabänderlichen Geschichte vollzogen.
Anschließend zogen sich die Parteien zu Gesprächen hinter verschlossenen Türen zurück. Im Vorfeld hatten Israelis und Palästinenser Kompromissbereitschaft signalisiert. Netanjahu sagte am Mittwoch während einer Rede im Weißen Haus, er sei zu einem "historischen Kompromiss" bereit. Ziel der direkten Verhandlungen mit Palästinenserpräsident Abbas sei nicht nur eine "vorübergehende Atempause", sondern ein "verlässlicher und dauerhafter Frieden", sagte Netanjahu und fügte hinzu: "Präsident Abbas, Sie sind mein Friedenspartner."
Netanjahu war vor seiner Rede in Washington mit US-Präsident Barack Obama zusammengetroffen. Vor einem gemeinsamen Abendessen reichten sich Netanjahu und Abbas die Hände und lächelten einander an. Obama forderte, beide Seiten müssten sich den Gesprächen ernsthaft verpflichten, ansonsten "wird der langanhaltende Konflikt weiterschwelen und eine weitere Generation aufzehren".
Als Ziel der Friedensgespräche gab Obama eine Zwei-Staaten-Lösung aus. Das Treffen soll das erste in einer Serie von Spitzenbegegnungen sein, die nach dem Willen der USA binnen eines Jahres zu einer Friedensvereinbarung führen sollen.