GM erwägt angeblich Schließung von Bochumer Opel-Werk

Vor 106 Tagen  nachrichten.de

Opel-Werk in Bochum
Das Opel-Werk Bochum steht einem Pressebericht zufolge erneut auf der Kippe. Der US-Autokonzern General Motors (GM) prüfe aufgrund des schwachen Geschäfts in Europa eine Schließung des Standortes, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf einen GM-Manager. Opel erklärte lediglich, angesichts der Schwäche des Automarkts verhandelten Unternehmen und Belegschaft über Einsparungen.

Neben einer Schließung des Standorts Bochum mit 3100 Mitarbeitern ziehe GM auch ein Aus für das Werk im englischen Ellesmere Port mit 2100 Beschäftigten in Betracht, berichtete die Zeitung. Die Diskussion um die Standorte sei Teil eines neuen Sanierungsplans für das kriselnde GM-Europageschäft. Der Standort Bochum galt schon während der schweren Krise von Opel in den vergangenen Jahren als von der Schließung bedroht.

Der neue Sanierungsplan für Europa könne neben Werksschließungen auch das Aus für mehr Arbeitsplätze bedeuten als bisher bekannt, berichtete die Zeitung. Der US-Konzern erwarte für 2011 im Europageschäft einen "beträchtlichen Verlust". Es gebe "eine zunehmende Unzufriedenheit mit Opel und ein Gefühl, dass die Einschnitte vor zwei Jahren nicht tief genug waren", zitierte die Zeitung den GM-Vertreter. "Wenn Opel repariert wird, wird es jetzt repariert, und die Einschnitte werden tief sein."

Opel wollte den Bericht nicht bestätigen. Ein Sprecher am Stammsitz Rüsselsheim sagte, es bestehe Einigkeit zwischen Unternehmen und Belegschaft, dass sich das Ergebnis von Opel verbessern müsse. "Darin sind sich alle beteiligten Parteien einig." Die Finanz- und Euroschuldenkrise belaste das Geschäft auf dem Automobilmarkt massiv. Deswegen stünden Verhandlungen an, um Zukunftsstrategien zu erarbeiten. "Wir müssen unser Ergebnis in jeder Hinsicht verbessern", sagte der Opel-Sprecher. Umsätze und Gewinne müssten steigen, Kosten sinken.

Der Opel-Betriebsrat erklärte, er habe "keinerlei Hinweise darauf", dass GM oder Opel die bestehenden Verträge zur Sanierung des Rüsselsheimer Autoherstellers nach der schweren Krise der vergangenen Jahre verletzten. Unternehmen und Arbeitnehmer hatten sich damals auf einen Sanierungsvertrag verständigt. Die Vereinbarungen schließen betriebsbedingte Kündigungen oder die Schließung ganzer Standorte bis Ende 2014 aus.

Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe, Gerüchte über eine mögliche Schließung des Standorts Bochum würden "immer wieder in die Welt gesetzt". Es stelle sich die Frage, "wer da bewusst Geschäftsschädigung betreibt".

Der Sanierungsplan für Opel sah die Streichung von 8000 der früher 48.000 Arbeitsplätze in Europa vor. Seit 2000 schreibt das Unternehmen kontinuierlich rote Zahlen. Auch die Geschäfte im vergangenen Jahr sagten keine Trendwende voraus: In den ersten neuen Monaten 2011 machten Opel und seine Schwestermarke Vauxhall einen Verlust von 580 Millionen US-Dollar (445 Millionen Euro). Dem Bericht zufolge weiteten sich die Verluste im vierten Quartal noch aus.

GM will Mitte Februar Geschäftszahlen vorstellen. Womöglich wird sich der Konzern dann auch zu Einsparungen in seinem Europageschäft äußern.

afp