Dutzende Tote Anschlägen im syrischen Aleppo

Vor 104 Tagen  nachrichten.de

Trümmer nach Anschlägen in Aleppo
Im Konflikt in Syrien sind erstmals in der Wirtschaftsmetropole Aleppo zwei Bombenanschläge verübt worden. Regierung und Opposition gaben sich gegenseitig die Schuld für die Anschläge auf die Sicherheitskräfte, bei denen nach Regierungsangaben mindestens 28 Menschen getötet und 235 weitere verletzt wurden. Während Panzer in Homs einrückten, verständigte sich die EU im Grundsatz auf eine Verschärfung ihrer Sanktionen.

Syriens Regierung machte "Terroristen" für die Explosionen im bisher weitgehend ruhigen Aleppo verantwortlich. Die Bombenattentate richteten sich demnach gegen Gebäude des Militärgeheimdiensts und der Sicherheitskräfte. Ein Sprecher der aus Deserteuren bestehenden Freien Syrischen Armee beschuldigte dagegen die Staatsführung, die Anschläge inszeniert zu haben, um die Aufmerksamkeit von ihrem Vorgehen in Homs abzulenken.

In der Protesthochburg besetzte die Armee in der Nacht das Stadtviertel Inschaat mit Panzern und durchsuchte zahlreiche Häuser, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London berichtete. Insgesamt seien in der Stadt am Freitag zwölf Zivilisten getötet worden. Das Militär beschießt Homs seit einer Woche mit Panzern und Artillerie und tötete dabei nach Angaben der Beobachtungsstelle rund 450 Menschen.

Weitere Opfer wurden aus Aleppo und der Stadt Dmeir nordöstlich von Damaskus gemeldet. Zusätzlich zu den Opfern der Anschläge seien landesweit 37 Menschen getötet worden. Trotz der massiven Präsenz der Sicherheitskräfte gab es nach Angaben der Beobachtungsstelle erneut Proteste in Hama, Idleb und Damaskus. Sie richteten sich diesmal vor allem gegen die Blockade einer UN-Resolution durch Russland.

Die EU-Länder einigten sich nach Diplomatenangaben im Grundsatz darauf, die Transaktionen mit der syrischen Zentralbank zu kappen. Zudem soll es ein Importverbot für Phosphat, Gold und andere Edelmetalle aus Syrien geben. Das neue Sanktionspaket soll beim nächsten Treffen der EU-Außenminister am 27. Februar beschlossen werden.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (UNHCR) forderte derweil den UN-Sicherheitsrat auf, in Syrien verübte Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) zu bringen. Das UNHCR habe diesen "sehr konkreten Schritt" wiederholt vorgeschlagen, sagte ein Sprecher. Von einem solchen Vorgehen werde eine "sehr, sehr starke Botschaft" ausgehen.

Hozan Ibrahim vom oppositionellen Syrischen Nationalrat verlangte in Berlin die Ausweisung von Syriens Botschafter. Nach der Festnahme zweier mutmaßlicher syrischer Spione war am Donnerstag die Ausweisung von vier Diplomaten des Landes angeordnet worden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erteilte der Forderung nach einer Schließung der syrischen Botschaft jedoch eine Absage.

uvs/lan/hei

afp