Forschung: Rollstuhl mit den Ohren steuern

Vor 384 Tagen  nachrichten.de

Universitätsmedizin Göttingen

Fast jeder Mensch kann mit den Ohren wackeln und damit die Ohrmuskulatur willentlich aktivieren, wenn er diese Fähigkeit gezielt trainiert. Diese von Neurologen der Universitätsmedizin Göttingen entdeckte Möglichkeit wollen die Wissenschaftler nun zur Steuerung von Rollstühlen nutzen. Dabei soll die Energie des elektrischen Signal genutzt werden, das durch die Aktivierung der Ohrmuskeln entsteht. Zusammen mit Forschern aus Heidelberg und Karlsruhe wollen die Göttinger nun den Prototypen einer Apparatur bauen, mit der sich diese elektrischen Signale ableiten und weiterverarbeiten lassen. Das Ganze nennt sich Projekt "Telmyos".

Telmyos ist die Abkürzung "telemetrisches myoelektrisches Ohrmuskelableitsystem". Ein kleiner Chip hinter dem Ohr soll Muskelsignale aufzeichnen und per Funk an einen Empfänger übertragen, der dann die Geräte steuert. Diese Technologie könnte - wegen des neuartigen Funktionsprinzips - eine Alternative zu bisherigen Strategien sein. Aktuell konzentriert sich die Forschung zur Steuerung von Neuroprothesen auf die Analyse von elektrischen Strömen des Gehirns (Brain-Computer Interface). Allerdings wird in den nächsten Jahren keine Routineanwendung dieser Technologie erwartet.

Unterstützung erhalten die Forscher von dem Unternehmen Otto Bock HealthCare. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beabsichtigt, das Projekt "Telmyos" für drei Jahre mit rund 810 000 Euro zu fördern. In dieser Zeit wollen die Forscher das System entwickelt haben, mit dem Patienten mit einer hohen Querschnittlähmung, die weder Arme noch Beine bewegen können, erstmalig ihre technischen Rehabilitationsmittel mit Hilfe der Ohrmuskeln selbst steuern können.

glp