Einen Sinn für Gerechtigkeit besitzen Kleinkinder schon viel früher als bislang angenommen. Erst vor einigen Monaten wurde festgestellt, dass bereits Dreijährige über einen Sinn für Fairness verfügen, nun sind deutsche und US-amerikanische Forscher zu der Erkenntnis gelangt, dass Kleinkinder schon im Alter von 15 Monaten diesen besitzen.
In ihrer Studie sind 47 Kindern im Alter von 15 Monaten Videos gezeigt worden, in denen Kekse oder Milch zwischen Menschen einmal gerecht und einmal ungerecht aufgeteilt wurden. Dabei haben die Wissenschaftler der Universität von Washington und des Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie gemessen, wie intensiv die Kleinkinder den einzelnen Szenen gefolgt sind. Bekannt ist, dass Kleinkinder auf eine überraschende Situation mit besonderer Aufmerksamkeit reagieren. Erwarten sie ein faires Verhalten, aber es folgt eine Ungerechtigkeit, reagiert das beobachtende Kind erstaunt.
In einem weiteren Versuch ist getestet worden, inwieweit Babys bereits sind, Spielzeuge mit anderen Kindern zu teilen. Im Abgleich mit den Ergebnissen der Videobeobachtungen haben sich deutliche Parallelen gezeigt: Kleinkinder, die von der ungerechten Aufteilung im Film überrascht worden sind, neigen eher dazu, ihr Lieblingsspielzeug mit anderen zu teilen. Dagegen neigen die von der unfairen Behandlung im Video nicht überraschten Kleinen deutlich häufiger, ihr favorisiertes Spielzeug für sich zu behalten. Laut dem Forscherbericht im Fachmagazin "PLoS One" wurde damit eine Verbindung zwischen dem Sinn für Fairness und selbstlosem Handeln schon im Kleinkinderalter festgestellt. Die Wissenschaftler wollen nun untersuchen, ob diese Tugenden bereits angeboren sind oder gezielt gefördert werden können. Dafür soll besonders der Einfluss des Verhaltens der Eltern und ihre Wertevermittlung auf die Kinder analysiert werden (http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0023223).